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In den Raum legen und
andere Strategie-Tipps

Bangkok-Klongs-Erfinder Martin Schlegel zeigt, dass man auch Gewinnen lernen kann

Die Regeln von Bangkok Klongs sind wirklich nicht ausufernd, dennoch steckt jede Partie voller taktischer Züge. Für den, der etwas besser abschneiden will, habe ich ein paar taktische Tipps notiert.

Für besonders wichtig halte ich das in Ziffer 5 angesprochene „In den Raum legen“ und die anschließend behandelten Züge, mit denen man die Mitspieler-Boote ins Abseits drängt. Doch es wäre zu wenig, würde man nur diese Tipps beherzigen.

1. Wer zum ersten Mal zu Bangkok Klongs greift, sollte nicht traurig sein, wenn er am Ende der Partie feststellt: „Ich habe die Außenbordmotoren gar nicht eingesetzt.“ Das passiert den Meisten, man ist durch die vielen Legemöglichkeiten ausgelastet genug.

2. Nach ein paar Partien ist der Weg zu „Mehr Taktik“ offen. Einige Spieler stürzen sich beim Nachziehen auf die Boote mit freier Sitzbank. Ich dagegen sehe zu, von beiden Sorten (freie und besetzte Bank) je zwei auf der Hand zu halten. Denn Diebe, Aufseher, Garküche und 3 Reiskörbe sind mächtige Elemente. Die sollte man besitzen.

3. In der ersten Runde muss man sein Boot an den Rand legen. Danach sollte man den Rand möglichst meiden, denn hier sind nicht so viele Punkte zu erwerben. Gehört zu meiner Grundausstattung ein Boot mit Luk Phat, so lege ich es gleich zu Anfang, da habe ich schon mal ein paar Punkte sicher.

4. Bringt man ein Boot mit eigenem Händler auf den Markt, dann so, dass es an möglichst vielen Wertungen teilnehmen kann. Drei Wertungen sind das Maximum. Ein Boot, das beim Einsetzen diese Option hat, ist ein gutes Boot. Nimmt ein Boot an drei Wertungen teil, kann man bei den Kleinen Markttagen ruhig abwarten und woanders aktiv sein. Man partizipiert von den Wertungen der anderen.

5. Das Bild oben zeigt eine durchaus übliche Anfangssituation. Nach dem Motto „Ab in die Mitte“ sind A, B und C gute Züge. D könnte auch in Betracht kommen, weil dann sicher jemand E legt und man gleich bei einem Vierer beteiligt ist. Ich neige in der Lage dennoch zu C, gehe in den offenen Raum – natürlich mit einem Boot mit eigenem Händler. Wenn die anderen sich um D und E kümmern, baue ich die Umgebung von C aus. Das hat den Effekt, dass andere hinterherlaufen müssen, weil ich mir dort sonst eine tolle Wertung aufbaue.
Dieses „In den Raum legen“ ist stark, besonders aber wenn das gelegte Boot in einem neuen Marktviertel ist.

6. Bangkok Klongs muss man nicht ausschließlich konstruktiv angehen, man kann seiner destruktiven Ader freien Lauf lassen. Das kann sogar siegbringend sein. Im Bild oben hat Rot eine tolle Position und droht durch ein Boot auf A einen Multiplikator 4 zu bekommen. Dem kann man zuvorkommen, indem man selbst ein Boot auf A bringt. Besser aber ist es, B zu belegen. Dann liegen die drei roten Boote mehr oder weniger dumm rum.

7. Eine ähnliche Situation besteht im nächsten Bild. Die zwei roten Händler sind gut positioniert. Noch ein Boot auf A und B und alles sieht gut aus. Das kann man verhindern, indem man einfach C belegt.
Zudem hat C eine Randposition, ist damit eine Drohung für die anderen – und Drohungen kann man gar nicht genug haben.

8. Im nächsten Bild sieht man, dass man ein Boot auf A setzen kann. Das macht sicher Sinn, wenn 3 oder 4 Personen teilnehmen, bei zwei Spielern aber nicht. B ist besser. Zum einen sind die roten Boote ohne Wertung und man selbst kann das 3-Reiskörbe-Boot für sich verwenden.

9. In Bild 8 könnte Rot ein Boot nach A bringen, dann hat er einen schönen Vierer. Er wird es nicht tun, sondern eines nach B setzen. Zum einen droht er so mit zwei Vierern, zum anderen verhindert er, dass Blau auf C gehen kann, was die blaue Stellung schwächt.

10. Mächtig ist die Stellung in Bild 4. Der rote Spieler hat ein „T“ geschaffen. Das gibt Punkte, wenn A und B belegt werden.

11. In der derzeitigen Lage ist die Stellung aber nicht stabil. Sollten A und B belegt sein, wird Blau mit dem klassischen Dieb-Außenborder-Zug reagieren: Er spielt den Dieb und entfernt den mittleren der drei roten Boote. Dann schiebt er mit Hilfe des Außenborders das blaue Boot auf C. Damit sind beide Rot-Wertungen – vorerst – torpediert.

Blau könnte mit seinem Boot auch auf den Platz fahren, den er mit dem Dieb frei gemacht hat. So würde er der Gefahr begegnen, dass Rot selbst mittels Außenborder dieses Feld besetzt.

12. Mächtige Stellungen wie in Bild 4 locken die Mitspieler an. Sie versuchen, die Stellung durch den Dieb zu zerstören. Um dem zu begegnen, könnte Rot seine drei in Reihe liegenden Boote durch einen Aufseher sichern.
Eine andere schöne Einsatzmöglichkeit hat der Aufseher, wenn ein Dieb auf dem Plan liegt. So bekommt man einen Dieb auf die Hand. In vielen Fällen lohnt es sich, den Aufseher dafür aufzusparen.

13. Ein Dieb kann, wie in Ziffer 11 gezeigt, eine gegnerische Stellung schwächen. Er sorgt auch dafür, das eigene Warenlager gezielt aufzufüllen.

Sollte man es schaffen, von einer Ware alle 9 Boote zu ergattern - bei 4 Spielern nahezu unmöglich, bei 2 Leuten schon eher - dann wären das 45 Punkte. Ein Dieb, der hier mithilft, tut mithin ein gutes Werk.

14. Natürlich laufen die einzelnen Partien recht unterschiedlich ab, aber  bei etlichen Spielen hat sich gezeigt, dass - wenn man die Spalten mit A bis H bezeichnet - die Spalten B, C, F und G gut besetzt waren. Hier finden entsprechend viele Wertungen statt. Da macht es Sinn, in diesen Reihen stark präsent zu sein.

15. Die Randfelder sind eher unattraktiv, die vier Ecken erst recht. Spätestens nach dem zweiten Kleinen Markttag dehnt sich das Bootsgewusel aber in Richtung der vier Eckbereiche aus. Wer auf C3, C8, F3 und F8 gut vertreten ist, hat dann einen Vorteil.

16. Neigt sich die Partie dem Ende zu, können die Diebe rasant an Bedeutung verlieren. Natürlich können sie immer noch stehlen und stören - wenn sie die Gelegenheit bekommen. Und daran hapert es mit fortschreitender Partie: Etliche Boote sind durch Aufseher gesichert, und die vielen Boote verhindern, dass man den Dieb dort einsetzen kann, wo er richtig wirkt. Der Dieb darf sich also nicht zu lange zur Ruhe legen.

17. Die Markttage sind das Salz in der Suppe der Schwimmenden Märkte. Bei den kleinen Markttagen muss man ein Boot mit eigenem Händler rausnehmen. Hat man die Wahl, dann eines mit wenigen Reiskörben, die mit vielen Reiskörben kann man aufsparen.

18. Der Große Markttag bringt noch mal richtig Punkte, da kann sich noch viel verändern. Drei Strategien sind im Auge zu behalten:

A)     Warenlager gezielt ausbauen

B)     Eigene Gebiete abgrenzen

C)    Fremde Gebiete stören

Zu A: Schon vor dem Großen Markttag sollte man sein eigenes Warenlager im Blick haben. Man sollte die Waren, die man ins eigene Lager bringen möchte, so auf den Plan bringen, dass sie vor dem Zugriff anderer sicher sind. Da macht es dann auch schon mal Sinn, sie in die sonst ungeliebte Ecke zu legen.

Zu B: In Bild 6 wertet Rot und nimmt das Boot mit den 3 Reiskörben und den Avocados, auch wenn ihm der Sinn nicht nach Avocados steht. Aber so sichert er die anderen Rot-Wertungen, kann sich nun in aller Ruhe um den Rest des Schwimmenden Marktes kümmern.

Zu C: Ist in Bild 6 Gelb am Zug, sollte er das gleiche Bootsquartett werten, dann aber das Ananasboot nehmen, um Rots gute Wertungen zu verhindern. Noch deutlicher wird die Destruktiv-Strategie in Bild 5.

Gelb sollte unbedingt hier aktiv werden - und nicht an andere Stelle des Marktes - obwohl es erst mal nichts bringt. Doch wenn er die Garküche rausnimmt, schaut Rot in die Röhre.

Allen wünsche ich weiterhin viel Spaß auf den Schwimmenden Märkten von Bangkok.

Martin Schlegel

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